Grossmühlingen - ein typisches Bördedorf

Grußworte

Bürgermeister Gemeinde Bördeland
Bernd Nimmich

"Im Dezember 2007 wurde die neue Einheitsgemeinde Bördeland gebildet, zu der unsere sieben ehemaligen Gemeinden Biere, Eggersdorf, Eickendorf, Großmühlingen, Kleinmühlingen, Welsleben und Zens – nunmehr Ortsteile – gehören. Trotz des Alters der einzelnen Ortsteile ist es also noch eine junge Gemeinde ...

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Geschäftsführer Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt e. V.
Dr. Jörn Weinert

"Mit dem Projekt „Mega Mulinga – ein typisches Bördedorf in der Mitte Deutschlands“ haben bürgerschaftlich Engagierte in und um Großmühlingen ein weithin sichtbares Zeichen gesetzt ...

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Mega Mulinga – oder Großmühlingen –
ein typisches Bördedorf?

Die Antwort lautet in mehrfacher Hinsicht – Ja! Und die erste Begründung liefert uns ein über 150 Jahre alter Spruch, der bis heute in der Börde bekannt ist:

 



„Schtemmern, Biere, Barendorp, Zens, Mühlinge, Eikendorp,
Brumby un Glete, Illnitz un Ferstede,
Atzendorp is ok dabi; solln dat nich elf dörper si?“

 

Inmitten der 11 Kerndörfer der Magdeburger Börde liegt Mühlingen: umgeben von Stemmern, Biere, Barendorf, Zens - Eickendorf, Brumby, Glöthe, Üllnitz, Förderstedt und Atzendorf! Seit Anfang 2008 bilden die Bördedörfer Biere, Zens, Großmühlingen, Kleinmühlingen und Eickendorf, ergänzt durch die Nachbardörfer Eggersdorf und Welsleben auch die Einheitsgemeinde Bördeland, die sich somit zu ihrer historisch und geographisch gemeinsamen Herkunft bekennt.

Friedrich Loose hat diese Besonderheit der Region erkannt und in seinem Vorwort zur ersten gedruckten Ausgabe seiner umfangreichen Forschung "Aus Großmühlingens Vergangenheit Ein Beitrag zur Volkskunde des ehemaligen Nordthüringgaus" (Dessau, Hofbuchdruckerei C. Dünnhaupt, 1903) geschrieben:

 

"Unter den Händen ist der Stoff gewachsen. Vom Dorf im allgemeinen richtete sich der Blick auf Haus und Hof im besonderen und nachher auf die weite Flur. Daraus erklärt sich die getroffene Auswahl aus der Fülle des volkskundlichen Stoffes. Mit ihr ist für die Volkskunde Belangloseres verbunden worden, um den Mühlingern nicht bloß zu zeigen, daß ihr Dorf ein Altertum ersten Ranges ist, sondern sie mit der Vergangenheit überhaupt bekannter zu machen und dadurch ihre Liebe zur Heimat fördern zu helfen."

 

Und wie recht Loose mit diesen Worten hatte, zeigt sich auch nach 100 Jahren, war unser Vorhaben zunächst nur die Idee einiger Mitglieder des Vereis, bildete sich bald eine Projektgruppe aus mehr als 10 interessierten Großmühlingern, die sich mit der Vergangenheit, aber auch mit der jetzigen Geschichte des Dorfes auseinander setzen.
Nach ersten Veröffentlichungen über unser Vorhaben und Anfragen bei den jetzigen Besitzern der Höfe wurde in den Familien geforscht, alte Fotoalben herausgesucht und weggezogene ältere Verwandte befragt. Schließlich kam eine Fülle an Material zusammen. So können auch wir wie Loose sagen, dass uns "unter den Händen der Stoff gewachsen" ist.

Doch das Wichtigste ist, die Großmühlinger und auch Einwohner, die erst vor einigen Jahren hierher gezogen sind, sprechen wieder über ihr Dorf und seine Geschichte.


Friedrich Loose wertete akribisch genau das vorhandene Material des umfangreichen
Pfarrarchivs aus: die Pfarrlehnsregister, Kirchenstuhlregister, den schriftlichen Nachlass des Kantors Sintenis (1750 – 1812), um nur einige zu nennen.

1674 hat der damalige Ortspastor Gottfried Reinecke auf Anforderung des Zerbster Konsistoriums an den regierenden Fürsten Karl Wilhelm von Zerbst einen Bericht über die kirchlichen Verhältnisse im Dorfe übersandt. Die Dorfbewohner, die Reinecke damals mit etwa 320 angab, sind in jenem Verzeichnis nach Häusern gruppiert und einzeln aufgeführt. Reinecke nennt darin 41 Höfe, die Mühle , die Pfarre und das Schloss. Eine Abschrift dieses Berichtes legte Friedrich Loose seinem Plan der Dorflage zu dieser Zeit zu Grunde.

Im Laufe seiner Arbeit verglich Loose immer wieder die Identität der Angaben Reineckes mit den Kirchenbüchern und ergänzte sie durch die späteren Angaben und die Berichte seiner Zeitgenossen. Grundlage für den von ihm gezeichneten Plan des Dorfes war die Separationskarte von 1846, da die Grenzen der einzelnen Höfe und Gärten im wesentlichen seit Jahrhunderten dieselben geblieben sind. Zwar brannten im Juli 1728 Teile des Dorfes ab, doch Loose bemerkte dazu:

 

"... aber Feuersbrünste verändern die Dorflage nicht, und Ackerverkäufe haben hier nicht wie anderswo zur Folge gehabt, dass Höfe vom Erdboden verschwanden. Sie waren alle wie die Schalen der Eier, die ausgeblasen werden, übrig geblieben, nachdem ihre Besitzer mit dem Acker das Weiderecht und die Dienstpflicht gegenüber dem Gut verkauft hatten, wie denn in den Separationsakten „Kossaten ohne Hausbesitz“ gezählt werden. – Der Plan von Mühlingen für 1674 bedeutet einen Querschnitt durch die Dorfentwicklung, welcher über die Entwicklung selbst mancherlei Auskunft gibt." (Aus Großmühlingens Vergangenheit“, S. 27)

 


Mega Mulinga – ein typisches Bördedorf?
Wieder gibt uns Loose eine Begründung dafür, dass das Bördedorf Großmühlingen stellvertretend für die anderen Dörfer stehen kann:

„Das heutige Mühlingen scheint dem Fremden sehr wirr gebaut zu sein, aber ich kenne in hiesiger Gegend kein Dorf, das so durchsichtig in seiner Anlage und deshalb zum Ausgangspunkt für Untersuchungen über die alte Form der Siedlungen im vormaligen Nordthüringgau so geeignet ist wie Mühlingen. Es besitzt lückenlose Zeilen von Gehöften; die kirchlichen Gebäude, zu denen einst die Schenke und das kleine Pfarrlehnsgut dabei gehörten, bilden für sich einen Komplex abseits der Bauernhäuser; die drei alten Gemeindehäuser (das Hirtenhaus, die Schmiede, die Bäckerei) und das einzige Tagelöhnerhaus haben oder hatten eine isolierte Lage. Die vier kleinen Höfe bei der Schmiede nennt Reinecke, Neustatt’ (= Neue Stätte im Unterschied von der alten Dorfstätte).“ (Aus Mühlingens Vergangenheit, S. 27)

Hat sich Großmühlingen zwar im Laufe der Jahrhunderte entwickelt, ausgebreitet und verändert und ist diese Entwicklung bis heute noch nicht abgeschlossen, so steht der Teil des Dorfes, den Loose vor 100 Jahren beschrieben hat und den wir zum Inhalt unseres Projektes gemacht haben, bis heute exemplarisch als Modell für die Entwicklung eines Bördedorfes.


 

Kirchbauverein "Sankt Petri" Grossmühlingen e. V.
 
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