Sankt Petri und seine
Rettung
Großmühlingen oder besser
mulinga hatte vermutlich schon kurz nach der Einführung
des Christentums in dieser Gegend durch Karl den Großen
um 800 eine Kirche.
Hervor geht das aus dem Fund der Altarplatte aus weißem
Sandstein nach dem Abriss der alten romanischen Kirche
1882.
Der Pfarrer Friedrich Loose (seit 1898 in Großmühlingen)
entdeckte sie im Kohlenschuppen der neugebauten neogotischen
Kirche. Sie war aus weißem Sandstein und auf
der Rückseite mit schalenartigen Vertiefungen,
Rinnen und Zeichen versehen.
In seinem Aufsatz „Die Altarplatte der alten
Kirche zu Großmühlingen“ beschrieb
er sie genau und fertigte zwei Zeichnungen ihrer Oberfläche
an. Er wies nach, dass diese Platte ursprünglich
als Opferaltar auf einem aufgeschütteten Hügel
nahe dem einstigen Spielhause diente und nach der Einführung
des Christentums umgedreht und geglättet als Altarplatte
bis zu ihrem Abbruch in der mehrmals um-, an- und ausgebauten
Kirche verblieb.
1925 kam diese Platte in das Anhaltische Landesmuseum
Zerbst. Über ihren Verbleib ist nichts bekannt.
In der handschriftlichen Chronik Looses ist die Geschichte
der alten romanischen Sankt Petri Kirche genau beschrieben,
gezeichnet und dokumentiert.

Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts
entwickelte sich Großmühlingen durch die Verleihung
des Marktrechts 1829, die Ansiedlung von Handel und
Gewerbe, die Entwicklung der Landwirtschaft und nicht
zuletzt durch den Abbau von Braunkohle zu einem bedeutenden
wohlhabenden Marktflecken mit zunehmender Bevölkerung
in neugebauten Straßenzügen um den alten
Dorfkern herum.
So reichte auch die alte Kirche nicht mehr aus
und man entschloss sich, eine neue größere
Kirche unweit der alten zu bauen, die 1882 eingeweiht
wurde.

Diese neogotische Kirche mit einer Orgelempore,
zwei Emporen über kleinen Seitenschiffen bot Platz
für 420 Gläubige!

Nach dem Ende des Kohlenabbaus und der
Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage stellte
sich bald
heraus, dass die Kirche zu groß und im Erhalt für
die kleiner gewordene Gemeinde zu kostspielig
war.
Zur 1000-Jahrfeier 1936 erhielt sie zwar noch
eine neue Glocke,
 doch danach wurde
sie nur
noch notdürftig renoviert.
Besonders während der Zeit der DDR verfiel sie
zunehmend, die Orgel war nicht mehr spielbar, der Putz
fiel von den Wänden und im Mai 1975 fand
der letzte Gottesdienst, eine Konfirmation,
in ihr
statt. Dazu
kam, dass sich der Zustand des Daches immer
mehr verschlimmerte.

Im August des Jahres 1995 geschah dann das,
was schon lange befürchtet worden war, das gesamte Dach
stürzte ein, nur die Mauern blieben stehen.

Vorsorglich waren allerdings
schon vorher die Kirchenbänke,
die Kanzel und das Taufbecken in Sicherheit
gebracht worden.
Die vorherrschende Meinung der Kirchenleitung
war zunächst,
den Schutt zu beräumen und die
Kirche als "geordnete Ruine" stehen
zu lassen.
Doch hier begann der Kampf des Pfarrers,
der Kirchgemeinde, ja des ganzen Dorfes
um ihre
Kirche. Und so wurde
durch Jugendliche des Ortes tonnenweise
Schutt beräumt,
Holzbalken und Dachreste wurden geborgen.
Im Oktober 1996 konnte mit dem Aufbau
eines neuen Dachstuhls begonnen werden.

Dabei wurde auf eine Zwischendecke
verzichtet, auch die Südempore, die vollständig zerstört
war, wurde nicht wieder eingebaut.

Im Frühjahr 1997 konnten
durch eine größere
Spende die Fenster mit einer Notverglasung
geschlossen werden.
Trotzdem wurde die Kirche aber
wieder zu Gottesdiensten, Beerdigungen
und
anderen Anlässen genutzt, bot
im Innern aber einen trostlosen Anblick.

Doch trotz intensiven Bemühungen
gelang es dem Pfarrer und dem Gemeindekirchenrat
in den Folgejahren
nicht, Mittel zu beschaffen, um
aus dem maroden Innenraum wieder
ein würdiges Gotteshaus zu
machen.
Das änderte sich erst 2005 mit der Gründung
des Kirchbauvereins "Sankt Petri",
dem es in kürzester Zeit gelang,
mehr als 50 Mitglieder zur Mitarbeit
zu gewinnen.
Das erste Ziel des Vereins war,
alle Einwohner des Dorfes für ihre Kirche zu interessieren,
Christen beider Konfessionen und auch Nichtchristen.
Dies gelang durch vielfältige Veranstaltungen
in der unrenovierten Kirche.

Die Bereitschaft, etwas
für "ihre Kirche" zu
tun, wuchs im Dorf, erste Spenden
konnten gesammelt werden und der Kirchenkreis stellte
Mittel für
die Restaurierung bereit.
Die Kirche konnte in ein Projekt
zur Arbeitsbeschaffung im damaligen
Landkreis
Schönebeck aufgenommen
werden und so begannen im Dezember 2006 die
Restaurierungsarbeiten.

Vereinsmitglieder und
viele Einwohner leisteten unzählige
Arbeitsstunden, durch die Spenden
konnten z. B. die Lampen für die Kirche angeschafft
werden.

Am 6. Oktober 2007
wurde zu ihrem 125-jährigen
Jubiläum die Sankt
Petri Kirche unter großer
Anteilnahme des gesamten
Dorfes wieder feierlich
eingeweiht.

Von ihrer ersten
Planung an waren sich Kirchbauverein,
Sankt Petri
Gemeinde
und der Pfarrer darin
einig, dass es nur gelingen
könnte, die Kirche
zu retten und zu erhalten,
wenn alle Kräfte des
Dorfes, Vereine, Kindereinrichtungen,
Kommune und jeder Einzelne
etwas
dafür tun.
Die Kirche sollte nicht
nur Mittelpunkt des geistlichen
Lebens der Gemeinde,
sondern auch Mittelpunkt
der Kultur und der Gemeinschaft
sein.
Dieses Konzept ging bisher
auf, eine Kirchturmuhr
konnte inzwischen
aus
Spendenmitteln eingeweiht
werden und
Spendenaktionen für die neuen Fenster
im Altarraum haben begonnen.
Doch nun
treten Sie ein in unsere alte, neue
Sankt Petri
Kirche
zu einem virtuellen
Rundgang,
der
Sie anregen soll, uns
und unsere Kirche bei
einem
Besuch unseres Bördedorfes
persönlich kennen
zu lernen. Wir freuen uns auf Sie!

[Treten
Sie ein in unsere alte, neue Sankt Petri Kirche ...]
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